Rekultivierung Golitsch

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Der Golitsch ("kahler Berg") zwischen Retz und Obernalb ist ein besonderer Granitberg (325m) mit auf felsigem Untergrund wachsender Heidelandschaft (Silikat-Trockenrasenflächen), seltenen Pflanzen (Kuhschellen, etc.), Schmetterlingen und Eidechsen. Am Nord-Ost-Abhang des Golitsch reichen die Weingärten bis an die Stadt Retz, am Südabhang bis Obernalb.

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Im Sommer 2005 fielen mir am höchsten Punkt dieses Granitgiganten zwei aufgelassene, wild verwachsene Weingarten-Terrassen auf. Bald entstand die Idee, diesen von Trockenrasenflächen begrenzten Weingarten wieder zum Leben zu erwecken. Der saure Boden (Granitranker) ist viel zu mager, um große Erträge zu bringen, aber ideal für terroirgeprägten Wein.
Im Herbst 2005 konnten wir die beiden Terrassen erwerben. Der Voreigentümer hat die letzten, vor fast 100 Jahren gepflanzten Reben im Jahr 2003 gerodet. Die Erträge waren - bedingt durch das hohe Alter der Reben und den kargen Boden - so gering, dass sich eine weitere Bewirtschaftung nicht mehr lohnte.

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(Terrassen, Urzustand)

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(Terrassen, Urzustand)

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1. Roden
Zunächst werden Büsche und Sträucher (Hagebutten, etc.) per Hand und mit dem Traktor beseitigt.
[Herbst 2005]

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(Bodenprofi, Golitsch-Granitranker)

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(Golitsch-Granit, verwittert)

2. "Rigolen"
Ein zügiges Wachstum junger Reben ist nur möglich, wenn es die zarten Wurzeln möglichst leicht haben, sich in tiefere Bodenschichten vorzuarbeiten. Aus diesem Grund wird eine neu zu bepflanzende Weingartenfläche grundsätzlich zunächst rigolt (tiefe Lockerung und Aufbrechung des Bodens). Diese Arbeit ist bei den im Weinviertel üblichen Bodenverhältnissen problemlos durchzuführen. Am Golitsch ist das anders. An vielen Stellen beginnt bereits nach nur 20 cm der für den Pflug undurchdringbare Granit. Rigolen muß durch ein seichtes Lockern des "Bodens" ersetzt werden.
Werden auf diesem Boden, der nur aus Steinen und einer dünnen Schicht Granitgrus besteht, junge Reben wachsen können?
[Herbst 2005]

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3. Riesling
Auf den beiden Golitsch-Terrassen werden wir Riesling-Reben auspflanzen. Nachdem diese Entscheidung gefallen war, begann 2007 die (gar nicht so einfache) Suche nach passenden Riesling-Edelreisern. Dabei war für uns die genetische Vielfalt besonders wichtig. (es sollten keine Geisenheimer oder sonstige Klone sein). Fündig wurden wir schließlich in den Weinbaugebieten Saar und Mosel. Nach vielen Telefonaten fanden wir zwei Rebschulen, die sich bereit erklärten, für uns verschiedene alte Selektionen (jeweils in einer nur geringen Stückzahl) auf die passende Unterlage zu veredeln.
In den kommenden Wochen werden wir auf eine Terrasse eine alten Saar-Selektion auspflanzen (die weiterveredelten Reben kommen aus einem bekannten Weingarten, der in den 20-iger Jahren des letzten Jahrhunderts angelegt wurde), auf die andere Terrasse kommen mehrere Mosel-Selektionen (von alten, wurzelechten Rebstöcken, die vor ca. 100 Jahren gepflanzt wurden).
[April 2010]

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Vor dem Pflanzen wird der Boden noch einmal mit dem Häcksler bearbeitet (aufgelockert).
[April 2010]

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(sieht schon fast wie ein Weingarten aus ...)

4. Auszeilen
Zunächst wird der Weingarten "ausgezeilt". Das bedeutet, dass festgelegt wird, wie die Rebzeilen verlaufen sollen, wie breit die Reihen und wie groß der Stockabstand werden soll. Wir haben uns zu einer Zeilenbreite von 2,65m und 0,8m Stockabstand entschieden.
Nachdem zur besseren Orientierung (die Reben sollen später ordentlich in einer Reihe stehen) pro Reihe eine Schnur gespannt war, wurden in jeder Reihe, im Abstand von 0,8m Eisensteher in den Boden geschlagen. Diese werden den Reben in den nächsten Jahren den notwendigen Halt geben.
[Mai 2010]

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(junge Riesling-Reben)

5. Wurzeln einkürzen
Die Riesling-Reben sind eingetroffen. Jetzt werden die Wurzeln geschnitten (eingekürzt), damit sie später kräftig in den Granit hinunterwachsen und die wunderbare Mineralik in die Trauben transportieren können.

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6. Pflanzen
Jetzt kann es endlich mit der eigentlichen Pflanzung losgehen. Ein Dritel der Pflanzlöcher wird mit dem Spaten gegraben, zwei Drittel der Reben werden mit der Wasserlanze gesetzt. Wir (9 Personen) sind knapp fünf Stunden beschäftigt, um 600 Reben in die Erde zu bringen.
[15. Mai 2010]

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((Alex und Rudi Rudi beim Graben)

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(die natürliche Grenze nach unten; Granit nach 15 cm)

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(Rudi mit der Wasserlanze)

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(Pause)

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(nach dem Finale)

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7. Austrieb

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Die jungen Reben treiben aus.

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8. Hitze und Wassernot

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Die enorme Hitze der letzten Tage (35°C) führt zu ernsten Trockenschäden an den jungen Reben (der karge, grobsandige Granitranker kann kaum Wasser speichern). Wir bringen viel Wasser auf den Golitsch und zu den Reben.
[Juli 2010]

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9. Holzpfähle setzen

Löcher bohren und Einschlagen der Weingartenpfähle. Natürlich alles (dh fast alles) per Hand... 32°C ....

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... schlechte Aussichten ... das Urgestein ....

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... da helfen nur mehr Bagger ....

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... und gute Freunde ...

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... geschafft !
[August 2010]

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[Oktober 2010]

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[Oktober 2010]

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Rückschlag
Aufgrund des schneearmen Winters und der geringen Niederschläge seit Jänner sind viele der im letzten Jahr gesetzten Reben im kargen Granitboden vertrocknet.
.... da capo .....
[Mai 2011]

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Fortschritt
Die heftigen Regenfälle haben positive Auswirkung auf das Wachstum der jungen Reben. Endlich.
[Juli 2013]

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